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Zur Geschichte des Roten Kreuzes

Der Schweizer Henry Dunant wird 1859 bei der Schlacht in Solferino, einem Ort in Norditalien, Zeuge des unmenschlichen Kriegsgeschehens. Fünfzehn Stunden tobt der Kampf zwischen Österreichern und Franzosen und hinterlässt 40.000 Tote und Verwundete auf dem Feld, für die es keine Hilfe gibt. Konfrontiert mit Massen an unversorgten Verwundeten organisiert Dunant erste Hilfe und wirbt bei der einheimischen Bevölkerung um Unterstützung mit dem Leitspruch „Tutti fratelli“, -wir alle sind Brüder: „Die Frauen von Castiglione erkennen bald, dass es für mich keinen Unterschied der Nationalität gibt, und so folgen sie meinem Beispiel und lassen allen Soldaten, die ihnen völlig fremd sind, das gleiche Wohlwollen zuteil werden. „Tutti fratelli“, wiederholen sie gerührt immer wieder. Ehre sei diesen mitleidigen Frauen, diesen jungen Mädchen von Castiglione! Es gab nichts, was sie zurückgeschreckt, erschöpft oder entmutigt hätte. Ihre bescheidene Hingebung kannte keine Müdigkeit und keinen Ekel; kein Opfer war ihnen zuviel.“(1) .Dunant faßt seine Erlebnisse in dem Buch "Un souvenir de Solferino" zusammen und lässt es 1862 zunächst auf eigene Kosten drucken und verbreiten. Was dem Buch die Durchschlagskraft verleiht, ist nicht der Bericht, sondern seine Forderungen nach Verwundetenhilfe durch Freiwillige, die "durch ein gemeinsames, gut organisiertes Hilfswerk geleitet" werden, und nach einer „internationalen, rechtsverbindlichen Übereinkunft". Die Idee des "Hilfswerks" führt zur Gründung des Roten Kreuzes als Organisation, die der „Übereinkunft“, zu den Genfer Konventionen und dem Humanitären Völkerrecht. Dunant wird nach 1862 zum

Werber seiner Ideen, er ist der erste Kommunikator der Rotkreuz-Idee und verschickt sein Buch an herausragende Persönlichkeiten, insbesondere Publizisten, Politiker und

Monarchen. Zur Verwirklichung seiner Vorschläge gelingt es ihm, die "Genfer Gemeinnützige Vereinigung" zu gewinnen.

17. Februar 1863

Aus der "Genfer Gemeinnützigen Gesellschaft" entsteht auf Anregung von Dunant ein Komitee von fünf Personen, Henry Dunant, Guilleaume-Henri Dufour, Gustave Moynier, Dr. Louis Appia, Dr. Theodor Maunoir. Aus ihm bildet sich in gradliniger Fortsetzung das heutige Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

26. -29. Oktober 1863

Das Genfer Komitee verschickt im September 1863 Einladungen zu einem internationalen Kongress und fügt den Entwurf zu zehn Artikeln als Diskussionsgrundlage bei. Zielgruppe der Einladungen sind prominente und fachkundige Persönlichkeiten, die ihre Regierungen auffordern sollen, Vertreter zu entsenden. 31 Delegierte aus 16 Ländern kommen zu der viertägigen Konferenz nach Genf und fassen Beschlüsse zur Gründung nationaler Komitees (als Vorläufer Nationaler Gesellschaften), Ausbildung von Krankenpflegern und Kennzeichnung der freiwilligen Krankenpfleger durch eine Armbinde mit rotem Kreuz. Ferner spricht die Konferenz den "Wunsch" aus, die Regierungen mögen Sanitätspersonal im Krieg für neutral erklären und durch ein Unterscheidungskennzeichen schützen.

12. November 1863
Auf deutschem Gebiet beschließt die württembergische Regierung in Stuttgart die Gründung des "Württembergischen Sanitätsvereins", der ersten nationalen Hilfsgesellschaft, die vom Genfer Komitee anerkannt wird. Noch älter, jedoch erst 1866 von Genf anerkannt, ist ein von Großherzogin Luise von Baden 1859 gegründeter Badischer Frauenverein, der mit den, „Luisenschwestern", der heutigen "Badischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz", eng verbunden ist.

22. August 1864
Die erste Genfer Konvention wird unterzeichnet. Die neun Signatarstaaten erkennen erstmals die Neutralität des Sanitätspersonals, von Helfern sowie von Verwundeten an.

10. Dezember 1901

Henry Dunant, der 1867 sein ganzes Vermögen verliert, zeitweilig bittere Not leidet, in Vorträgen und Beiträgen für Zeitschriften und Zeitungen weiterhin humanitäre Ziele propagiert und zurückgezogen in Heiden lebt, erhält den 1. Friedensnobelpreis zugesprochen.

(1) Henry Dunant, Eine Erinnerung an Solferino, Ins Deutsche Übertragen von Richard Tüngel nach der französischen Originalausgabe von 1862, hrsg. v. Schweizerischen Roten Kreuz, Bern 1988, Seite 44.